Einleitung

Der Echte Hausschwamm wird seit je her als hochproblematisch bei Altbausanierungen angesehen. Es gibt genügend bautechnische Verfahren, mit denen sich Hausschwamm erfolgreich bekämpfen lässt.

Das hier vorgestellte, neue Verfahren kommt in der Anwendung ohne eine Bohrlochtränkung der Wand aus. Damit ist es prädestiniert für Mauerwerke, die nicht gebohrt werden können. Um es erfolgreich anwenden zu können, ist im Vorfeld eine genaue Analyse der Gegebenheiten vor Ort erforderlich.

Das verwendete Bekämpfungsmittel enthält keine Biozide, sodass es auch von Zimmerleuten oder Maurern eingesetzt werden kann. Für die Praxis werden erhebliche Einsparungen der Kosten erwartet.

Die Firma Kurt Obermeier GmbH & Co. KG aus Bad Berleburg ist Hersteller des Mittels und hat die intensive Schulung zu diesem Produkt dem Holzschutz-Überwachungsverband übertragen.

Grundlage

Der Echte Hausschwamm ist in der Lage, aus einem feuchten Mauerwerk Wasser auf trockenes Holz zu leiten, um das Holz zu befeuchten und anschließend zu zerstören.

Das nachfolgend beschriebene Verfahren nutzt diese besondere Eigenschaft des Echten Hausschwamms, um ihn zu bekämpfen. Das neuartige Bekämpfungsmittel reduziert den Durchmesser der Kapillaren im Mörtelbett und dem umgebenden Mauerwerk auf einen Durchmesser, den die Hyphen des Hausschwammes nicht mehr durchwachsen können; die Diffusionsfähigkeit der Baumaterialien für Feuchte bleibt dabei aber erhalten. Auf diesem Wege wird in der Wand eine physikalische Barriere gegen das Durchwachsen errichtet. Chemische Schwammsperrmittel erreichen denselben Effekt über Biozide, haben aber den Nachteil, dass – formulierungsbedingt – erhebliche Mengen an Wasser in das Mauerwerk eingetragen werden.

Mit einer mechanischen Reinigung ― auch Abflämmen ist möglich, aber nicht notwendig ― werden die Pilzgeflechte auf der Wandoberfläche entfernt, sodass eine einfache Kontrolle des Bekämpfungserfolgs möglich ist. Wichtig ist dabei auch die Kontrolle des Porenverschlusses, besonders bei Mauerwerken, die sich nicht trocknen lassen. Daher ist es erforderlich, solche Mauerwerke bei der natürlichen Trocknung auf Trocknungsrisse zu kontrollieren.

Verwendet wird eine spezielle Zubereitung, die sich nach dem Aufbringen auf der Wand nicht mehr verändert und es entstehen auch keine schädlichen Salze, die zur Zerstörung des Mauerwerks führen. Somit eignet sich das Verfahren auch für bisher nicht zu imprägnierende Mauerwerke, wie z. B. Hochlochziegel, Bruchsteinmauerwerk und Bimssteine.

Das Schwammsperrmittel ist in der MPA Eberswalde auf seine Wirksamkeit geprüft worden und hat die Prüfung gemäß ENV 12404 bestanden. (Bestimmung der Wirksamkeit eines Schutzmittels gegen das Überwachsen von Echtem Hausschwamm von Mauerwerk auf Holz).

Ausführung

Vor Einsatz des neuen Verfahrens muss geprüft werden, ob sich das Mauerwerk für eine künstliche Trocknung eignet. Wenn es getrocknet werden kann, dann genügt nach dem Trocknen ein einziger Arbeitsgang zum Besprühen der Mauerwerksoberfläche.

Lässt sich die Wand nicht trocknen (z. B. eine dicke Bruchsteinwand), sind insgesamt 3 Arbeitsgänge zur Behandlung der Oberfläche notwendig. Da im Abtrocknungszustand wieder Risse zwischen Stein und Mörtel auftreten können, ist in den ersten 3 Jahren eine Kontrolle notwendig, um ggf. die neu entstandenen Risse durch erneutes Besprühen zu schließen.

Je nach örtlichen Gegebenheiten kann auf eine allseitige Behandlung von Wänden verzichtet werden. Das wird von den Sachverständigen vorher bei der Analyse des Befalls geprüft.
Diese Wandimprägnierung wird durch weitere mechanische Methoden bei der Bekämpfung unterstützt, z. B. Auflegen von Schwellen auf Hartholzscheiben etc., die alle durch versierte Zimmerleute ausgeführt werden können.

Da es um die Poren im Mauerwerk (also überwiegend im Mörtel) geht, ist es nicht notwendig, bei großformatigen Bruchsteinen die Steinoberflache zu behandeln, es sei denn, es handelt sich um poröse Steine wie z. B. Sandstein. Derartige Anwendungsdetails werden aber schon im Vorfeld der Anwendung des Verfahrens untersucht und festgelegt. Damit beschränkt sich bei den meisten Natursteinmauerwerken die Behandlung auf die Mörtelfugen, wie z. B. Feldsteinmauerwerk, Granitsteinmauerwerk etc..

Bei dicken Wänden, die nicht zu trocknen sind, eröffnet dieses neue Verfahren die Möglichkeit, den Hausschwamm auch ohne Bohrlochtränkung zu bekämpfen. In solchen Fällen ist die in der DIN festgeschriebene „Regelsanierung“ nicht anwendbar.

Selbst 2-schalige Mauerwerke lassen sich je nach Aufbau mit diesem neuen Verfahren behandeln. Hier hängt der Bekämpfungserfolg aber vom Aufbau der Wand ab; die Auswahl der richtigen Vorgehensweise ist nur auf der Grundlage umfangreicher Erfahrungen mit derartigen Sanierungen möglich. Mehrere, über die Bundesrepublik verteilte Gutachterbüros werden auf diese Methode ausgebildet.

Die Vorarbeiten wie Ausbau des zerstörten Holzes, Entfernen der Putzflächen (mit Sicherheitszonen) und Beseitigen der Feuchteursache zum Schutz der neuen Hölzer sind bei diesem Verfahren auch erforderlich.

Ausblick

Es ist zu erwarten, dass sich dieses Verfahren besonders bei Baudenkmälern durchsetzt, weil es zerstörungsfrei anzuwenden ist, aber auch im Wohnungsbau ist das Verfahren vorteilhaft anwendbar.